
Die Nationalratswahlen haben parteipolitisch erhebliche Veränderungen ergeben. 66 ParlamentarierInnen sind neu. Die SAG fragte sich: Wie sehen die Kräfteverhältnisse zur Frage aus, ob Landwirtschaft und Lebensmittel gentechfrei bleiben sollen? Das Resultat: Von den 200 gewählten NationalrätInnen stehen 138 positiv zu gentechfreier Landwirtschaft und Lebensmittel. 52 sind gegen ein Moratorium. Im Ständerat ist das Bild unvollständig.
Die SAG wird in Zukunft die Entwicklungen in der Nanotechnologie bei Lebensmitteln, Gebrauchsartikeln und in der Landwirtschaft kritisch beobachten. Inzwischen hat die SAG eine Situationsanalyse und ein Positionspapier mit politischen Forderungen erstellt.
Siehe dazu auch das Kapitel Nanotechnologie unter der Rubrik Themen.
24.1.2012 | Schadensfälle

Beispiel eines Gewächshauses. Das Bild ist illustrativ und entspricht nicht dem Gewächshaus der Firma ORF Genetics.
Bild: Steven, de.wikipedia.org
In Island hat ein Sturm ein Gewächshaus, in dem im Auftrag der isländischen Firma ORF Genetics mit gentechnisch veränderter Gerste gearbeitet wurde, zerstört. Das Gewächshaus war für Windgeschwindigkeiten bis zu 42 Metern pro Sekunde ausgelegt. Der Sturm erreichte jedoch 47 Meter pro Sekunde. ORF Genetics produziert Proteine aus transgener Gerste. 130 verschiedene Proteine finden bereits in Medizin und Kosmetik Anwendung. ORF Genetics betont, die Gerste würde im Freien nicht überleben. Eine Biologieprofessorin von der Universität Island erklärte, es sei Glück, dass das Gewächshaus im Winter zerstört worden sei, anderenfalls hätten sich die Samen verbreiten können. Sie kritisierte, dass Gentech-Gerste in Gewächshausern angebaut werde, die den isländischen Wetterverhältnissen nicht standhielten. Die Umweltbehörde untersucht nun den Fall.
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20.1.2012 | Lebensmittel

Goldener Reis (rechts) im Vergleich zu konventionellem Reis.
Bild: International Rice Research Institute (IRRI), de.wikipedia.org
Der Goldene Reis („Golden Rice“) ist eine Gentech-Reissorte, die eine erhöhte Menge an Beta-Carotin (Provitamin A) in den Reiskörnern enthält. Das Beta-Carotin führt zur goldgelben Farbe der Reiskörner. Der genmanipulierte Reis soll für Menschen mit Vitamin-A-Mangel Vorteile bringen und damit im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung einen Beitrag leisten. Der seit über zehn Jahren umstrittene Reis wurde 2011 versuchsweise auf den Philippinen angebaut. Die Verbraucherorganisation foodwatch berichtet nun, dass der "Golden Rice" möglicherweise vor seiner Marktzulassung steht. foodwatch hat zusätzlich einen Report veröffentlicht, wo wichtige Fragen aufgeworfen werden, die vor einer Markteinführung noch geklärt werden sollten. Die Risiken seien unklar: So liegen der Öffentlichkeit bisher keine Fütterungsstudien vor, stattdessen wurde der Reis an chinesischen Kindern getestet. Nach wie vor sei ausserdem unklar, inwiefern die im Reis produzierten Carotinoide vom menschlichen Körper verwertet werden können. Es sei nach wie vor zweifelhaft, ob der verbreitete Vitamin-A-Mangel in Entwicklungsländern durch den Gentech-Reis überhaupt wirksam bekämpft werden kann. foodwatch fordert die Beteiligten des Projektes auf, umfassende und unabhängige Studien zur Risikoabschätzung vorzulegen und die fehlenden technischen Daten zu publizieren.
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19.1.2012 | Lebensmittel
Karte des Anteils an unterernährten Menschen an der Gesamtbevölkerung nach Staat.
Bild: de.wikipedia.org
Hans Rudolf Herren, Agronom und Präsident von Biovision, ist überzeugt, dass es für die zukünftige Sicherung der Ernährung der Menschheit einen fundamentalen Kurswechsel in der globalen Agrarpolitik braucht, und zwar hin zu einer nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft. Um Hunger und Armut in einer Welt, deren Bevölkerung bis 2050 von heute 7 Milliarden auf über 9 Milliarden zunehmen wird, zu besiegen, müssen Fehlentwicklungen in der industriellen Agrarpolitik überwunden werden. Verlangt ist eine landwirtschaftliche Produktion, so wie sie im IAASTD-Weltagrarbericht (International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development) gefordert wurde: Weg von kurzfristiger Ertragsmaximierung, hin zu einer ökologischen, multifunktionalen Landwirtschaft, die nicht den höchsten, aber den nachhaltig möglichen Ertrag anstrebt, Böden und Gewässer schont und die natürliche Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität erhält und fördert. Hans Herren sieht im kommenden Erdgipfel «Rio + 20» im Juni 2012 eine Chance, den vom IAASTD postulierten Kurswechsel einzuleiten.
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In Deutschland wird dieses Jahr die Gentechnik an Pflanzen nur im
Labor oder vereinzelt in Freisetzungsversuchen zu Forschungszwecken,
nicht aber in der Landwirtschaft stattfinden. Bild: MPI Potsdam-Golm /
Zahlreiche europäische Staaten haben eine gentechnikfreie Landwirtschaft – so wie die Schweiz unter dem gesetzlichen Moratorium. Nach dem Rückzug der BASF Plant Science aus Europa (siehe News weiter unten) und damit dem Ende der Gentech-Amflora-Kartoffel sowie dem nach wie vor geltenden Verbot für den Anbau von Bt-Mais MON810 werden in Deutschland keine Gentech-Pflanzen mehr angebaut. Zudem wird vermutet, dass die ohnehin schon geringe Zahl der Freisetzungsversuche weiter zurückgehen wird.
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externer Link: Deutschland:
externer Link: Grüne Gentechnik:
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17.1.2012 | EU

Bild: untoitpourlesabeilles.fr
Die französische Regierung hat beschlossen, das bestehende Anbauverbot des schädlingsresistenten Mais MON810 auch im Jahre 2012 aufrecht zu halten. Dies obwohl ein französisches Gericht letztes Jahr das bestehende Moratorium aus dem Jahre 2008 aufheben wollte. Der Entschluss fiel unter anderem aufgrund von Gesprächen der Umwelt- und Landwirtschaftsminister mit Bauernverbänden.
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17.1.2012 | EU

Bild: Pressefoto BASF,
BASF Plant Science hat heute angekündigt, dass sie ihre Aktivitäten im Bereich der Pflanzenbiotechnologie auf die Hauptmärkte in Nord- und Südamerika konzentriert. Es fehle in weiten Teilen Europas die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker. Deshalb sei es aus unternehmerischer Sicht nicht sinnvoll, in Produkte, die für die Kommerzialisierung ausschliesslich im europäischen Markt vorgesehen seien, weiter zu investieren. Der Konzern wird die Entwicklung und Kommerzialisierung aller Produkte einstellen, deren Anbau in der Landwirtschaft allein auf die europäischen Märkte ausgerichtet ist. Dies betrifft die Gentech-Stärkekartoffeln Amflora, Amadea und Modena, die gegen Kraut- und Knollenfäule resistente Kartoffel Fortuna, eine gegen Kraut- und Knollenfäule resistente Stärkekartoffel sowie eine pilzresistente Weizensorte. Trotz des Entwicklungsstopps will BASF Plant Science aber die Bewilligungsverfahren, die bereits angelaufen sind, Aufrecht erhalten.
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