|
|
|
|
Genschutzzeitung Nr. 39, April 2005
|
| Bäuerin und BIO SUISSE-Präsidentin Regina Fuhrer: «Es macht mir Spass, die Rollen zu wechseln.» Christa Dettwiler, Freie Journalistin Eine ehemalige Städterin, die das Land liebt, eine Landwirtin, die politisiert – Regina Fuhrer hat keine Mühe, die Ebenen zu wechseln, weil sie stabilen Boden unter den Füssen hat. Wenn jemand in unterschiedlichen Rollen agiert, heisst es, er trage verschiedene Hüte. Bei Regina Fuhrer kommt einem spontan Schuhwerk in den Sinn. Es ist ein Bild, das der Bäuerin und Präsidentin von BIO SUISSE entspricht, denn die Erde, der Boden unter den Füssen ist ihr wichtig. Der Hof von Regina und Andreas Fuhrer, den sie 1987 «als sorgfältig bewirtschaftetes, gutes Erbe» von den Eltern Fuhrer übernahmen, kommt mit einer sehr tiefen Mechanisierung aus. Die Arbeit besorgen die Pferde. «Es war ein organischer Übergang, mein Mann hat einfach so weiter gemacht, wie schon sein Vater gearbeitet hat, ausser dass er von Anfang an konsequent auf biologische Landwirtschaft umstellte.» Diese Art zu bauern braucht Hände. Weil Regina Fuhrer oft für BIO SUISSE, die Biobäuerinnen und –bauern, unterwegs ist, und dabei kein schlechtes Gewissen haben will, beschäftigen sie einen Teilzeit Angestellten. So zieht die Bäuerin denn regelmässig die Gummistiefel aus und die Stadtschuhe an, um etwa mit Bundesrat Joseph Deiss über aktuelle Fragen in der Agrarpolitik zu diskutieren, vor den Medien die Interessen der Biolandwirtschaft zu vertreten oder vor Bäuerinnen über die Risiken der Gentechnologie zu referieren: «Es macht extrem Spass, die Rollen zu wechseln. Und ich möchte weder das eine noch das andere missen. Ich brauche die Arbeit auf dem Hof, die Arbeit mit der Erde, den Pflanzen und den Tieren. Das gibt mir den Boden unter den Füssen.» Es ist dieser Boden, der Regina Fuhrer glaubwürdig und überzeugend macht. Im Gegensatz zur grossen Mehrheit der Politikerinnen, Wissenschafter oder Manager argumentiert Regina Fuhrer aus gelebter Erfahrung heraus. «Jeden Frühling erfahre ich die ungeheure Kraft der Natur wieder. Wenn ich diese Fruchtbarkeit erlebe, wenn ich zusehe, wie die Saat aufgeht und gedeiht, dann spüre ich ein grosses Vertrauen in die Urkraft der Natur. Ich erlebe täglich, wie eines mit allem anderen zusammenhängt.» Auch darin unterscheidet sie sich grundsätzlich von Gentechnikern. «Sie betrachten nur ein winziges Detail, reissen es aus dem Zusammenhang und bekämpfen dann das Symptom.» Darin sieht sie den grössten Widerspruch auch zur biologischen Landwirtschaft und sie meint – kein bisschen resigniert übrigens – dass es wohl keine wirkliche Verständigung zwischen den Lagern geben kann. Zu fundamental verschieden sei die Weltsicht. «In der biologischen Landwirtschaft fangen wir beim Boden an, wir stecken viel Arbeit und Sorgfalt in die Bodenfruchtbarkeit, um die besten Voraussetzungen für ein gesundes Wachstum zu schaffen. In der Gentechnik beginnt man quasi am Kopf, pickt eine Einzelheit heraus und bekämpft ein störendes Symptom.» Anstatt also viel Energie in einen fruchtlosen Austausch von altbekannten Haltungen und Argumenten zu investieren, setzt Regina Fuhrer ihr Vertrauen in die Bevölkerung. «Die Gentechfrei-Initiative versucht den Menschen zu zeigen, dass Gentechnik in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion schlicht nicht nötig und unerwünscht ist.» Die Botschaft kommt an. Aber die Abstimmung ist deswegen noch lange nicht gewonnen. «Es gibt immer weniger Landwirte und Bäuerinnen in der Schweiz, und ich fürchte, dass der Faden zum Rest der Bevölkerung immer dünner wird. Und wenn die Menschen den direkten Bezug zum Anbau ihrer Lebensmittel verlieren, kümmern sie sich möglicherweise auch weniger um die Art und Weise, wie diese produziert werden.» Mit ihrer offenen und geradlinigen Art, aus der immer auch ihre Verbundenheit mit der Natur spürbar wird, ist Regina Fuhrer zweifellos eine überzeugende Botschafterin für eine Schweizer Landwirtschaft ohne Gentechnologie.
|