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Genschutzzeitung Nr. 39, April 2005

Grenzenloser Widerstand
Standpunkt: Aufstand der Regionen
Neue Lebensmittelverordnung: Kennzeichnung verschärft
Bäuerin und BIO SUISSE-Präsidentin Rita Fuhrer
Gentechfreie Regionen auf dem Vormarsch
gentech-news
Noch weht keine Gentechfrei-Fahne über dem Bundeshaus

Standpunkt: Aufstand der Regionen

Benedikt Haerlin, Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Berlin

Die Agrogentechnik ist in Europa angekommen, wenn auch etwas anders als sich Syngenta und Monsanto und ihr technisch-wissenschaftlich-bürokratischer Freundeskreis dies vorgestellt hatten. Solange sie weder im Supermarkt noch auf dem Acker bewiesen

wurde, war es der Mehrheit der Bevölkerung herzlich egal, dass die Konzerne sagten, der gentechnische Fortschritt auf dem Acker sei nicht mehr aufzuhalten. Auch die Frage nach Gentechnik im Tierfutter liess die Mehrheit eher kalt. Doch jetzt, wo in Europa der Anbau von gentechnisch verändertem Mais und gar auch Raps droht, fragen Landwirte und Naturschützer, Gemeinden und Regionen: «Wie weit muss dieser Anbau von uns weg sein, damit wir davon nicht behelligt werden?» Doch was in ihrer Nachbarschaft wachsen darf, ist nach den Gesetzen der EU fast gänzlich ihrer Selbstbestimmung entzogen. Sie sind empört.

Nicht nur langjährige GentechnikkritikerInnen, Umwelt- und KonsumentenschützerInnen, sondern auch Lebensmittelunternehmen, Standesorganisationen, Landesregierungen und kommunale Verwaltungen, Naturschutzbehörden und Landwirtschaftskammern sehen sich Problemen und Kosten ausgesetzt, die sie nicht bestellt haben und nicht gewillt sind, hinzunehmen. Sie erkennen freilich auch neue Chancen für die Konkurrenzfähigkeit ihrer Produkte auf dem sich globalisierenden Agrarmarkt.

Jetzt arbeitet man gemeinsam an lokalen und regionalen Verhinderungsvorschriften; aber auch daran, sich im fernen Brüssel Gehör für die realen Probleme der Agrogentechnik zu verschaffen. Gefordert wird nicht nationale sondern regionale Selbstbestimmung, auch grenzüberschreitende. Das neue Bündnis kann so zu einer brisanten Herausforderung für Europa werden. Der in der Schweiz breit herrschende Konsens, die heimische Produktion – auch jenseits der Vorschriften der Genlex und des Ausgangs der Volksabstimmung – gentechfrei zu halten, gilt vielen dabei als praktisches Vorbild.